Kornwestheimer Zeitung vom 17.06.2008

Pressekritiken-Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung vom 17.06.2008 – mit freundlicher Genehmigung.

Lateinamerikanischer Rhythmus mit deutscher Strenge gepaart Die Flötistin Birgit Maier und der Gitarrist Günther Schwarz gastieren als  Duo con Animo in der Martinskirche.  Kornwestheim.

Anrührend feinstimmige und zarte Töne sind am Sonntagabend in der evangelischen Martinskirche erklungen. Das Ensemble Duo con Animo musizierte in der Besetzung mit Birgit Maier an der Querflöte und Günther Schwarz an der Gitarre. Von Rudolf Wesner

Die beiden Musiker überzeugten vom ersten Takt an mit beeindruckender Virtuosität und lebendiger Gestaltungskraft. Die Qualität des Konzerts hätte zweifellos eine größere Zahl an Zuhörern verdient. Mit einer Verbeugung an Johann Sebastian Bach leiteten die beiden Musiker, die an der Stuttgarter Musikschule auch als Lehrer tätig sind, das Programm ein. Die viersätzige Sonate C-Dur, BVW 1033, erlebte eine überaus sensible und in der Klangentfaltung schwebend leichte Wiedergabe. Schon hier konnte sich Birgit Maier als Virtuosin von hohem Rang auf ihrem Instrument einbringen. Ruhig und überaus akzentreich begleitete sie dabei Günther Schwarz auf der Gitarre.

Dieses als ideal zu bezeichnende Zusammenwirken der beiden Ensemblemitglieder aus Stuttgart kennzeichnete auch die vitale und von gestalterischer Kraft geprägte Ausführung von Werken der hierzulande weniger bekannten Komponisten aus dem lateinamerikanischen Raum. In der Martinskirche waren Werke von Alfonso Montes, José Luis Merlin, Maximo Diego Pujol oder Franco Margola zu hören. Die Kompositionen, wie zum  Beispiel „Tres Imagines“ von Montes oder der Satz „Palermo“ aus der Suite „Buenos Aires“ von Pujol sprachen in ihrer empfindungsreichen, häufig auch meditativen, aber stets weit sich ausbreitenden Melodik an, und diese Elemente kosteten Birgit Maier und Günther Schwarz mit klangschönem Spiel auf ihren Instrumenten aus.

Doch zuvor erklang noch eine Komposition von Heitor VillaLobos, dem bekanntesten Komponisten Brasiliens des 20. Jahrhunderts, der auch ein großer Verehrer des Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach war. Ihm widmete er eine ursprünglich für Orchester und Sopran geschriebene Suite mit dem Titel „Bachianas Brasileiras, Nummer fünf“, die der Komponist aber auch für die Besetzung mit Gitarre und Flöte bearbeitet hatte. Das zunächst anklingende Motiv erinnerte deutlich an Bach, wurde dann aber in temperamentvoller Art mit landesüblichem Kolorit erweitert. Das Duo interpretierte den Satz „Aria“ in ebensolcher Klangfülle.

Im zweiten Teil ihres Konzerts in der Martinskirche erfreuten Birgit Maier und Günther Schwarz zunächst mit einer überaus delikat und virtuos ausgeführten Darbietung der Komposition „Quattro Episodi“ von Franco Margola. Insbesondere der vierte Satz fiel in seinem lebendig tänzerischen Charakter auf, dem die beiden Musiker bravourös folgten. Eine „Histoire de Tango“ komponierte Astor Piazzolla, ebenfalls einer der bekanntesten Tonschöpfer aus Lateinamerika. Das energieerfüllte viersätzige Werk beschreibt die Entwicklung des Tangos zwischen 1900 und der Gegenwart und gab den beiden Musikern noch einmal Gelegenheit, seine jederzeit spürbare Musizierfreude, die sich mit hochrangiger Souveränität im Umgang mit ihren Instrumenten verbindet, auszubreiten.

So lässt sich Kälte und Dunkelheit trotzen: Traum, Melancholie, südländisches Feuer – all das steckte in der Musik des „Duo con animo“ für Flöte und Gitarre am Samstag im Stettener Sommersaal. Gut 60 Zuhörer ließen sich erwärmen. Vor allem die temperamentvollen Stücke wirkten ganz unmittelbar aufs Publikum: Astor Piazzollas feurige Tango-Varianten lösten noch am Ende des gut eineinhalbstündigen Programms von Flötistin Birgit Maier-Dermann und Gitarrist Günther Schwarz lebhaftesten Zwischenapplaus aus, während sich bei den ruhigen Sätzen versonnene Stille ausbreitete.

Das Hineinfinden in den Klang wurde den Zuhörern auch leicht gemacht, vom schieren Wohlklang der Instrumente, dem harmonischen Zusammenspiel des  Duos, der warmen Musik aus Lateinamerika, Frankreich und Italien. Nicht dass der Abend in Süßlichkeit erstickt wäre: Virtuos gespielte, fast übermütige tänzerische Sätze durchbrachen immer wieder Melancholie und Versonnenheit. Das Temperament der Rhythmen, die raffinierten Färbungen in den Harmonien des Tango-Großmeisters Piazzollas oder seines italienischen Zeitgenossen Franco Margola hielten das Programm in einer schönen Balance zu den den eingängigen Melodien des Italieners Mauro Guiliani, die einer Rossini-Oper entsprungen sein könnten.

Die Vielfalt innerhalb des südländischen Klangpanoramas machte den Reiz des Abends aus: Die Verneigung des zeitgenössischen Komponisten Francis-Paul Demillacs vor den alten Klängen der Renaissance-Zeit, das spanische Flair von Jacques Iberts „Entr’ Acte“, die romantische Verträumtheit der Gitarrenmusik des Paraguayers Agustín Barrios Mangoré.    Einen besonderen Farbtupfer brachten Birgit Maier-Dermann und Günther Schwarz mit drei Reminiszenzen ihres Stuttgarter Kollegen Alfonso Montes, der in ihnen dem großmütterlichen Haus in Venezuela ein Denkmal setzte, dem knarzenden Schaukelstuhl, dem Licht der  Öllampe, dem Flügelschlag der Kolibris im Garten. „Man kann’s sich richtig vorstellen“, war als Raunen im Publikum zu hören – schöner hätte das Lob kaum sein können.

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