Stuttgarter Zeitung/Nachrichten Nr. 160 | Mittwoch, 15. Juli 2015 KORNWESTHEIM

Martinskirche bietet eine gute Akustik für die Kammermusik

Die beiden Musiker Birgit Maier-Dermann und Günther Schwarz sind in Kornwestheim keine Unbekannten. Schon mehrmals ist die Flötistin mit ihrem Gitarrenbegleiter in der evangelischen Martinskirche aufgetreten. Dabei hat das Duo stets mit ungewöhnlichen Programmen aufgewartet, denn die Kombination Flöte/Gitarre ist in Konzerten selten zu hören.

Sicher auch deshalb, weil man für deren leise kammermusikalische Töne eine sehr gute Akustik braucht, um sie wirkungsvoll darzubieten. In der evangelischen Martinskirche steht eine solch schöne Akustik zur Verfügung. Und so konnte das Duo sein aktuelles Programm mit dem Titel „A travers les siècles“ in dem beinahe 500 Jahre alten Gotteshaus bestens zur Geltung bringen. Wie der Titel schon vermuten ließ, bekam das Publikum einen interessanten, ansprechenden Rundgang durch 400 Jahre Musikgeschichte geboten.

Gleich beim ersten Programm-punkt, Johann Sebastian Bachs bekannter Flötensonate C-Dur BWV 1033, konnten Birgit Maier-Dermann und Günther Schwarz all das zeigen, was auch im weiteren Verlauf ihre musikalische Interpretation auszeichnete.

Die Flötistin überzeugte durch ihren ungemein wandlungsfähigen Ton, der in der tiefen Lage warm und dunkel, in der hohen Lage leicht und bei aller Virtuosität trotzdem weich klingen konnte. Bei alledem lotete sie die gesamte dynamische Bandbreite aus und intensivierte dadurch zusätzlich die Interpretation der Werke aus den verschiedensten Stilepochen.

Günther Schwarz überzeugte vor allem durch markante Impulse, die sehr gut die Wechsel von meditativ-langsamen zu schwungvoll-tänzerischen Partien unterstützten. Die solistischen Abschnitte des zweiten Programmteils mit Werken, die von der Musik Südamerikas inspiriert sind, gaben ihm Gelegenheit, die klanglichen Stärken seiner Gitarre herauszustreichen, die der weltweit bei Gitarristen geschätzte Instrumentenbauer Daniel Friederich 1986 für ihn in Paris gefertigt hat.

Wie gut sich Musik der Klassik, also der Musikepoche von Mozart und Beethoven, auf den beiden Instrumenten darstellen lässt, zeigte das Duo in der Großen Sonate op.85 von Mauro Giuliani. Die große Liebe des Duos gilt allerdings der Musik Südeuropas und Südamerikas. Franco Margolas „Quattro Episodi“ ließen die Zuhörer von einem abendlichen Vogelkonzert unter südlicher Sommersonne träumen. Auch Lowell Liebermanns 1989 komponierte Sonate vermittelt eine ähnliche Atmosphäre.

Der langsame Satz aus der Tango-Suite des berühmten argentinischen Komponisten Astor Piazzolla rundete diese abendlichen Impressionen ab. Das leider nicht sonderlich zahlreich erschienene Publikum applaudierte umso herzlicher und wurde dafür mit einem Zugabenstück der bekannten zeitgenössischen Komponistin Irina Kirchner belohnt. Kornwestheim

Mit seinem Konzert hat das Duo con Animo seinem Publikum einen schönen Sommerabend bereitet.

Sabine Baumert

Ludwigsburger Kreiszeitung 16.11.2010

Kritik Martinskirche 14.11. Ludwigsburger Kreiszeitung 16.11.2010    Kurzweilige Reise mit einem kongenialen Duo

Affettuoso heißt so viel, wie: affektvoll, mit Gefühl. Besser hätte der gleichnamige Titel des Konzerts am Sonntagabend in der Martinskirche kaum beschrieben werden können. Es gastierte das „Duo con animo“.  Nein, viel haben die beiden Künstler wirklich nicht gebraucht, um die zahlreich gekommenen Zuhörer in einen gefühlvollen Abend entlang einiger vorwiegend neuzeitlicher Kompositionen des 19. und 20. Jahrhunderts zu entführen.

Streng genommen waren es nur zwei Dinge, die dem Duo Birgit MaierDermann (Querflöte) und Günther Schwarz (Gitarre) zur Verfügung standen: ihre Instrumente und ihr jeweils exzellentes solistisches Können. In Stuttgart haben sie 2007 eine „außergewöhnliche musikalische und klangliche Übereinstimmung entdeckt“ und nach den zwei Konzerten eine dauerhafte Zusammenarbeit vereinbart – als „Duo con animo“.

Die Sprache der Musik
Das Kommen hat sich für die Zuhörer in der Martinskirche mehr als gelohnt: Das Duo nahm sein Publikum mit auf eine kurzweilige Reise entlang der mal traumhaft schönen, mal feurigen und spannenden Interpretationen von Werken durchweg eher unbekannter Komponisten. Zum besseren Verständnis des Gehörten lagen dem Programm jeweils kurze Informationen über Urheber und Stück bei.  Notfalls hätte allerdings auch die Sprache der Musik gereicht, die heiterverspielten Momente ebenso genießen zu können, wie die romantisch verträumte Hingabe, die das Duo nicht zuletzt dank der virtuosen und technisch versierten Intonationen in die Martinskirche zauberte. Etwa  wenn es mit Claude Debussy die Geschichte der lieblichen Baumnymphe Syrinx auf der Flucht vor dem Gott Pan erzählte oder mit dem zeitgenössischen japanischen Komponisten Toru Takemitsu auf moderne Weise eine Reise ans Meer unternahm.  Birgit Maier-Dermann und Günther Schwarz überzeugten als kongeniales Duo, das dem jeweiligen Partner nicht nur ausreichend Freiräume ließ, sondern über ein nahezu blindes Verständnis verfügte.

Kornwestheimer Zeitung vom 17.11.2010

„Affetuoso“ Duo con Animo , 14.11.2010 Martinskirche Kornwestheim Konzertbesprechung in  der Stuttgarter Zeitung online, Kornwestheimer Zeitung & Ludwigsburger Kreiszeitung

Aus der Stille in die Stille zurück Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung vom 17.11.2010  Kornwestheim Ein facettenreiches Konzert hat das Duo con Animo geboten. Von Sabine Baumert

Die Dorfkirche stellte bei dem Konzert der beiden Musiker, die an der Stuttgarter Musikschule einen Lehrauftrag inne haben, erneut ihre Qualitäten als Konzertkirche unter Beweis. Birgit Maier-Dermann und ihr Partner Günther Schwarz musizieren stets aus einer großen Ruhe heraus, aus der sich Tempo, Phrasierung und Agogik schlüssig entwickelten. Auch schien der Klang ihrer Instrumente immer aus der Stille heraus zu entstehen und wieder in die Stille zurückzukehren. Den Kirchenraum mit seiner tragenden Akustik bezog damit das Duo gewissermaßen als dritten Spielpartner mit ein.

Die Stückauswahl war gerade auch für diese Gegebenheiten bestens geeignet. Alle Werke des Abends ließen sich dem Stichwort Impressionismus zurechnen. In diesem Musikstil kommt es vor allem auf kleinste Schattierungen von Klangfarben an, auf die Schilderung des Augenblicks. Eine durchgängige thematische Arbeit wie in den Epochen davor findet kaum statt. Die Tonalität ist – im Gegensatz zur Zwölftonmusik, die sich fast zeitgleich entwickelte – immer noch auf ein Zentrum bezogen und wirkt deshalb auch für heutige Zuhörer vertraut und schlüssig.

Das Duo con Animo interpretierte bekannte Stücke wie „Syrinx“ von Claude Debussy (entstanden 1913) für Flöte solo oder „Entr“acte“ von Jacques Ibert für Flöte und Gitarre (1937) mit großem Gespür für klangfarbliche Schattierungen. Besonders interessant waren selten aufgeführte Werke zeitgenössischer Komponisten, die sich stilistisch immer noch am Impressionismus orientieren. Francis Margola (1908-1992) verwendet in seinen Quattri Episodi für Flöte und Gitarre von 1970 nur eine leicht erweiterte Tonalität. Die vier Sätze geben ganz unterschiedliche Eindrücke wieder. Im ersten Satz entsteht Spannung durch komplizierte Rhythmen, im zweiten Satz bringt dagegen eine wiegende Melodie ein ruhiges Element. Im vierten Satz, der eine dreiteilige Form aufweist, meint man Tänzerinnen und Tänzer aus Margolas italienischer Heimat zu sehen.

Francis-Paul Demillac orientiert sich in seiner 1974 entstandenen „Petite suite médiévale“ melodisch an alten Vorbildern. Birgit Maier-Dermann überzeugte mit wandlungsfähigem Ton, der alle Abstufungen von runder, sonorer Tiefe bis zu strahlender, dennoch warmer Höhe umfasste. Bemerkenswert differenziert setzte sie das Vibrato als zusätzliches gestalterisches Mittel ein. Günther Schwarz gestaltete seinen Part vollkommen gleichberechtigt. So wirkten alle Werke sehr homogen, als seien sie für ein einziges Instrument mit verschiedenen Klangfarben geschrieben worden. In Leo Brouwers 1968 komponiertem „Un dia de Novembre“ für Gitarre solo musizierte Schwarz ebenso konzentriert und intensiv wie Maier-Dermann bei Debussys „Syrinx“. Der Gitarrist schuf jedoch durch seine zupackende Art zu musizieren auch einen interessanten Gegenpol zu seiner Flötenpartnerin. Auch die Altquerflöte kam zum Einsatz – in Toru Takemitsus „Toward the Sea“ von 1981. Sie ist eine Quart tiefer und somit um einiges länger als die gängige Querflöte. Birgit Maier-Dermann ließ das Instrument dunkel und geheimnisvoll wie eine Bassflöte klingen. Auch wenn der japanische Komponist viel mit Klangfarben arbeitet, verwendet er doch auch moderne Spieltechniken wie Flatterzunge oder Klappengeräusche. Das recht zahlreich erschienene Publikum bekam mit „Milonga de Sur“ als Zugabe noch einmal ein tänzerisches und temperamentvolles Stück zu hören.

Kornwestheimer Zeitung vom 17.06.2008

Pressekritiken-Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung vom 17.06.2008 – mit freundlicher Genehmigung.

Lateinamerikanischer Rhythmus mit deutscher Strenge gepaart Die Flötistin Birgit Maier und der Gitarrist Günther Schwarz gastieren als  Duo con Animo in der Martinskirche.  Kornwestheim.

Anrührend feinstimmige und zarte Töne sind am Sonntagabend in der evangelischen Martinskirche erklungen. Das Ensemble Duo con Animo musizierte in der Besetzung mit Birgit Maier an der Querflöte und Günther Schwarz an der Gitarre. Von Rudolf Wesner

Die beiden Musiker überzeugten vom ersten Takt an mit beeindruckender Virtuosität und lebendiger Gestaltungskraft. Die Qualität des Konzerts hätte zweifellos eine größere Zahl an Zuhörern verdient. Mit einer Verbeugung an Johann Sebastian Bach leiteten die beiden Musiker, die an der Stuttgarter Musikschule auch als Lehrer tätig sind, das Programm ein. Die viersätzige Sonate C-Dur, BVW 1033, erlebte eine überaus sensible und in der Klangentfaltung schwebend leichte Wiedergabe. Schon hier konnte sich Birgit Maier als Virtuosin von hohem Rang auf ihrem Instrument einbringen. Ruhig und überaus akzentreich begleitete sie dabei Günther Schwarz auf der Gitarre.

Dieses als ideal zu bezeichnende Zusammenwirken der beiden Ensemblemitglieder aus Stuttgart kennzeichnete auch die vitale und von gestalterischer Kraft geprägte Ausführung von Werken der hierzulande weniger bekannten Komponisten aus dem lateinamerikanischen Raum. In der Martinskirche waren Werke von Alfonso Montes, José Luis Merlin, Maximo Diego Pujol oder Franco Margola zu hören. Die Kompositionen, wie zum  Beispiel „Tres Imagines“ von Montes oder der Satz „Palermo“ aus der Suite „Buenos Aires“ von Pujol sprachen in ihrer empfindungsreichen, häufig auch meditativen, aber stets weit sich ausbreitenden Melodik an, und diese Elemente kosteten Birgit Maier und Günther Schwarz mit klangschönem Spiel auf ihren Instrumenten aus.

Doch zuvor erklang noch eine Komposition von Heitor VillaLobos, dem bekanntesten Komponisten Brasiliens des 20. Jahrhunderts, der auch ein großer Verehrer des Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach war. Ihm widmete er eine ursprünglich für Orchester und Sopran geschriebene Suite mit dem Titel „Bachianas Brasileiras, Nummer fünf“, die der Komponist aber auch für die Besetzung mit Gitarre und Flöte bearbeitet hatte. Das zunächst anklingende Motiv erinnerte deutlich an Bach, wurde dann aber in temperamentvoller Art mit landesüblichem Kolorit erweitert. Das Duo interpretierte den Satz „Aria“ in ebensolcher Klangfülle.

Im zweiten Teil ihres Konzerts in der Martinskirche erfreuten Birgit Maier und Günther Schwarz zunächst mit einer überaus delikat und virtuos ausgeführten Darbietung der Komposition „Quattro Episodi“ von Franco Margola. Insbesondere der vierte Satz fiel in seinem lebendig tänzerischen Charakter auf, dem die beiden Musiker bravourös folgten. Eine „Histoire de Tango“ komponierte Astor Piazzolla, ebenfalls einer der bekanntesten Tonschöpfer aus Lateinamerika. Das energieerfüllte viersätzige Werk beschreibt die Entwicklung des Tangos zwischen 1900 und der Gegenwart und gab den beiden Musikern noch einmal Gelegenheit, seine jederzeit spürbare Musizierfreude, die sich mit hochrangiger Souveränität im Umgang mit ihren Instrumenten verbindet, auszubreiten.

So lässt sich Kälte und Dunkelheit trotzen: Traum, Melancholie, südländisches Feuer – all das steckte in der Musik des „Duo con animo“ für Flöte und Gitarre am Samstag im Stettener Sommersaal. Gut 60 Zuhörer ließen sich erwärmen. Vor allem die temperamentvollen Stücke wirkten ganz unmittelbar aufs Publikum: Astor Piazzollas feurige Tango-Varianten lösten noch am Ende des gut eineinhalbstündigen Programms von Flötistin Birgit Maier-Dermann und Gitarrist Günther Schwarz lebhaftesten Zwischenapplaus aus, während sich bei den ruhigen Sätzen versonnene Stille ausbreitete.

Das Hineinfinden in den Klang wurde den Zuhörern auch leicht gemacht, vom schieren Wohlklang der Instrumente, dem harmonischen Zusammenspiel des  Duos, der warmen Musik aus Lateinamerika, Frankreich und Italien. Nicht dass der Abend in Süßlichkeit erstickt wäre: Virtuos gespielte, fast übermütige tänzerische Sätze durchbrachen immer wieder Melancholie und Versonnenheit. Das Temperament der Rhythmen, die raffinierten Färbungen in den Harmonien des Tango-Großmeisters Piazzollas oder seines italienischen Zeitgenossen Franco Margola hielten das Programm in einer schönen Balance zu den den eingängigen Melodien des Italieners Mauro Guiliani, die einer Rossini-Oper entsprungen sein könnten.

Die Vielfalt innerhalb des südländischen Klangpanoramas machte den Reiz des Abends aus: Die Verneigung des zeitgenössischen Komponisten Francis-Paul Demillacs vor den alten Klängen der Renaissance-Zeit, das spanische Flair von Jacques Iberts „Entr’ Acte“, die romantische Verträumtheit der Gitarrenmusik des Paraguayers Agustín Barrios Mangoré.    Einen besonderen Farbtupfer brachten Birgit Maier-Dermann und Günther Schwarz mit drei Reminiszenzen ihres Stuttgarter Kollegen Alfonso Montes, der in ihnen dem großmütterlichen Haus in Venezuela ein Denkmal setzte, dem knarzenden Schaukelstuhl, dem Licht der  Öllampe, dem Flügelschlag der Kolibris im Garten. „Man kann’s sich richtig vorstellen“, war als Raunen im Publikum zu hören – schöner hätte das Lob kaum sein können.